Pracownia Niemieckojęzycznej Literatury Szwajcarii
Założona w 2005 roku przy Instytucie Filologii Germańskiej Uniwersytetu Wrocławskiego Pracownia Badań nad Niemieckojęzyczną Literaturą Szwajcariistawia sobie za cel intensyfikację i koordynację badań nad literaturą niemieckojęzycznej Szwajcarii w ujęciu interdyscyplinarnym. Współpracując z polskimi i zagranicznymi ośrodkami badawczymi oraz z Towarzystwem Badań nad Literaturą Szwajcarii Niemieckojęzycznej (Gesellschaft für die Erforschung der Deutschschweizer Literatur, G.E.D.L.) w Bernie, koncentruje swoje zainteresowania na następujących obszarach:
- Niemieckojęzyczna literatura Szwajcarii
- recepcja literatury szwajcarskiej w Polsce
- badania regionalne
- tożsamość szwajcarska
- relacje polsko‑szwajcarskie
Program zakłada transdyscyplinarność badań, obejmującą takie dziedziny, jak literaturoznawstwo, kulturoznawstwo i nauki społeczne.
Kierownik
dr hab. Dariusz Komorowski, prof. UWr
Projekty aktualne
„Das Machbare nicht machen.“ Zum künstlerischen Universum von Matthias Zschokke.
[…] liegt es am gleichbleibend weißen Papier, dass sich die Welt ausnahmslos auf eine Fläche von 20,9 mal 29,7 Zentimeter zusammenzieht, sobald ich sie mir vornehme?[1]
Ein Blatt weißen Papiers: eine bescheidene Fläche, auf der die ganze Welt ihren Raum finden will, sobald Matthias Zschokke beginnt, über sie literarisch zu sinnieren. Seit über vierzig Jahren – seit der Veröffentlichung seines Debütromans Max – erschafft Zschokke fiktionale Realitäten, die feinfühlig mit dem „Kleinen und Unbedeutenden“[2] gefüllt sind und doch für die ganze Welt stehen.
Im Oktober 2024 wurde Matthias Zschokke siebzig Jahre alt. Dieses Jubiläum nahm die Forschungsstelle für Deutschschweizer Literatur am Institut für Germanistik zum Anlass, eine internationale Tagung zu organisieren, die seinem Schaffen gewidmet war. Zschokkes Werk ist vielseitig: Er schreibt Romane, Erzählungen, Reportagen, Theaterstücke und dreht Filme, für die er mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurde. Dem gesamten Schaffen des Schweizer Schriftstellers und Filmemachers wurde im Mai 2025 eine internationale Konferenz gewidmet.
Die Tagung versammelte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland, Italien und Polen. Unter den zahlreichen Themen, die diskutiert wurden, spielte das Verhältnis zwischen fiktionaler Welt und Erfahrungswirklichkeit – im Tagungsmotto bereits angedeutet – eine besondere Rolle. Die Skepsis gegenüber einem Diskurs, der der sprechenden Instanz vorgibt, was und wie gesagt werden soll, der aber zugleich die einzige Möglichkeit bildet, die eigene Welterfahrung auszudrücken, reizt Zschokke zur Rebellion. Daraus ergab sich die Frage nach den Trägern dieser Rebellion im Werk, etwa nach den „Piraten“, die laut Samuel Moser Zschokkes „bevorzugte Figuren“[3] sind. Auch Zschokke selbst wird von seinem langjährigen Freund Niels Höpfner als „sanfter Rebell“ bezeichnet – wohl wegen seines Bestrebens, das Machbare, also das vom Diskurs Vorgegebene, gerade nicht zu machen. So etwa der Librettist in ErSieEs, der ein Negativlibretto schreiben will. Im Geiste dieser Rebellion stellt Zschokke die Identitäten seiner Figuren infrage, überschreitet Gattungsgrenzen – wie in Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin oder im Stück Die Exzentrischen – oder erkundet neue Prosagattungen in seinen Mail-Büchern (Lieber Niels und Die strengen Frauen von Rosa Salva), mit denen er eine literarische Form aufgreift und weiterentwickelt, die Jürg Laederach mit Depeschen nach Mailand (2009) erschlossen hat.
Aus seinem tiefen Skeptizismus gegenüber der Sprache resultiert Zschokkes Überzeugung von der Unmöglichkeit echter Kommunikation. „Die Wörter sind falsch“[4], meint der Erzähler in Der dicke Dichter. Die mangelhafte Kommunikation ist einer der Gründe für die Einsamkeit seiner Figuren – ein Motiv, das sowohl in den Prosawerken als auch in den Theaterstücken untersucht wurde. Angesichts der Verunsicherung, die entsteht, wenn Sprache versagt und sich Wirklichkeit dem Zugriff entzieht, sucht Zschokke Halt in den Dingen, in der Materie. In Maurice mit Huhn etwa schreibt er einen Hymnus auf die Materie, hier repräsentiert durch Unterwäsche: „große, wahre Gegenstände“, die an der Wäscheleine baumeln – „Helden an ihrem Platz“[5]. Diese Hinwendung zur Materialität wurde als ein Thema identifiziert, das Zschokkes Werk für posthumanistische Forschungsperspektiven öffnet.
Ein weiteres vielversprechendes Feld bot die intertextuelle Perspektive, in der die Werke Robert Walsers eine bedeutende Referenz darstellten. Weniger offensichtlich, aber nicht minder spannend für Fragen nach der Identität der Subjekte, ist der Bezug auf Jürg Laederach – insbesondere auf seinen Roman Emanuel –, was in der lebhaften Diskussion deutlich wurde. Solch intensive Auseinandersetzungen begleiteten jeden Beitrag, besonders im Hinblick auf Zschokkes neueste Texte Ein Sommer mit Proust (2017) und Der graue Peter (2023), die teils kontroverse Reaktionen hervorriefen. Mit der Hinwendung zur französischen Literatur wurde zudem die Möglichkeit eröffnet, Zschokkes Werk im Kontext französischer literarischer Traditionen zu erschließen. Bemerkenswert ist, dass sein Schaffen gerade in der Westschweiz und im gesamten französischsprachigen Raum besondere Popularität genießt – ein Thema, das in der Paneldiskussion mit seiner französischen Übersetzerin Isabelle Rüf im Zentrum stand.
Die Konferenz wurde von zwei weiteren Ereignissen begleitet. In Wydawnictwo Uniwersytetu Wrocławskiego erschien Zschokkes preisgekrönter Roman Maurice mit Huhn in der polnischen Übersetzung von Ewa Szymani.[6] So konnte zum Abschluss der Tagung eine Autorenlesung mit Matthias Zschokke, der Übersetzerin Ewa Szymani und dem Organisator der Konferenz, Dariusz Komorowski, im Kulturhaus OP ENHEIM in Wrocław stattfinden.
Für das Jahr 2026 ist die Veröffentlichung eines Bandes geplant, der sämtliche Beiträge der Tagung versammelt.
[1] Matthias Zschokke: Mein Freund, mein gusseiserner Ofen. In: ders.: Ein neuer Nachbar. Zürich 2002, S. 210-213, hier S. 211.
[2] Rosmarie Zeller: Aus einer Vorlesung an der Universität Basel (2006), hier die Web-Seite Angelfire. Matthias Zschokke. URL: https://www.angelfire.com/ms/zschokke/zeller.html
[3] Samuel Moser: Matthias Zschokke. In: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, S. 2.
[4] Matthias Zschokke: Der dicke Dichter. Köln, Basel 1995, S. 80.
[5] Matthias Zschokke: Maurice mit Huhn. Ammann Verlag, Zürich 2006. S. 231.
[6] Matthias Zschokke: Maurice z kurą. Wydawnictwo Uniwersytetu Wrocławskiego, Wrocław 2025.
Projekty zrealizowane
2018–2021
Die Wiederkehr der Res publica. Zu literarischer Repräsentation eines politischen Konstrukts im globalen Zeitalter
Das Thema „Die Wiederkehr der Res publica“ ging paradoxerweise von einer Konstatierung aus, es bestünde kein Interesse mehr an der republikanischen Idee, die Alexander von Schönburg im „popliterarischen Quintett“ folgendermaßen zum Ausdruck brachte: „Wir stellen also fest, dass wir uns in einem postideologischen Zeitalter befinden und es für uns deshalb auch gar keine Res publica gibt.“[1] Schönburgs Überzeugung gründet in der Beobachtung, dass das politische Engagement – wenigstens in Deutschland – zum bloßen Schein mutierte und keine reale Kraft mehr darstelle. Auch wenn diese Feststellung den Anschein einer blasierten Gleichgültigkeit vorgibt und nicht einmal den Willen zur Hoffnung ausdrückt, von nun an könnte sich diesbezüglich etwas ändern, so zeugt sie doch von einer gewissen politischen oder ideologischen Wachsamkeit der camp generation. Das Desinteresse an der Republik wird somit selbst zum Schein und die Frage nach dem gegenwärtigen Verständnis und der literarischen Repräsentanz der republikanischen Idee besonders aktuell.
Diese so verschiedenen Haltungen laden zu einer vertieften Untersuchung der Frage nach der conditio der Res publica in der gegenwärtigen Literatur.
Hannah Arendts Verständnis des Politischen als Handeln folgend, wird von der Prämisse ausgegangen, Literatur an sich sei als Akt des Handelns politisch. Dementsprechend wird die deutschsprachige Literatur der Gegenwart – Prosa, Drama, Lyrik, Hörspiel, Feuilleton – nach der Repräsentation einzelner Aspekte des Republikanischen abgefragt. Es entfaltet sich ein breiter Fragenkomplex, der von der grundsätzlichen Frage ausgeht, ob und eventuell welche Traditionen des Republikanismus heute in der Literatur diskutiert werden. Traut sich Literatur immer noch Gesellschaftsmodelle aufzubauen? Anders gesagt, werden in der heutigen deutschsprachigen Literatur utopische oder distopische Gemeinschaftsmodelle konstruiert? In diesem Kontext scheint die Frage nach dem Verhältnis der Nationalstaaten und übernationalen Institutionen zur Res publica von besonderer Relevanz zu sein. Mit dem Hinweis auf die Deklaration von Houellebecq, er wolle kein citoyen sein, wird darüber hinaus ein Problemfeld eröffnet, das den Bürger anvisiert. Signalisiert Houellebecqs Aussage das Ende der tradierten Vorstellung vom Bürger? Oder deutet sie vielleicht auf die Möglichkeit hin, den Bürger in neuen, übernationalen Dimensionen zu platzieren und zu definieren? Die Figur des Bürgers ruft die Frage nach Partizipationsmodellen sowie In- und Exklusionsmechanismen herbei, die ihre Grundlage in der Religion, Staatenzugehörigkeit oder –losigkeit finden. Diesen und weiteren Fragen ist das Buch Die Wiederkehr der res publica gewidmet.
Ende der tradierten Vorstellung vom Bürger? Oder deutet sie vielleicht auf die Möglichkeit hin, den Bürger in neuen, übernationalen Dimensionen zu platzieren und zu definieren? Die Figur des Bürgers ruft die Frage nach Partizipationsmodellen sowie In- und Exklusionsmechanismen herbei, die ihre Grundlage in der Religion, Staatenzugehörigkeit oder –losigkeit finden. Diesen und weiteren Fragen ist das Buch Die Wiederkehr der res publica gewidmet.
[1] J. Bessing, Ch. Kracht, u.a.: Tristesse Royale. Das popkulturelle Quintett mit Joachim Bessing, Christian Kracht, Eckhart Nickel, Alexander von Schönburg und Benjamin von Stuckrad-Barre. München 2001 (1999), S. 100.

Dariusz Komorowski: Die Wiederkehr der res publica. Zu literarischer Repräsentation einer politischen Idee im globalen Zeitalter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021.
2010–2014
Publizistik in der Schweizer Presse am Anfang des 20. Jahrhunderts im Kontext der nationalen und kulturellen Identitätsdebatte. Fallbeispiel Carl Albert Loosli.

Dariusz Komorowski: Ein Intellektueller im Narrenhabitus. Carl Albert Looslis Publizistik in der nationalen Identitätsdebatte der Schweiz um 1900. Königshausen & Neumann, Würzburg 2014.
2007–2009
„Quellen im Diskursfeld „Identitäten“. Deutschland, Österreich und die Schweiz. In der Zusammenarbeit mit Prof. Dr. habil. Marek Hałub und Prof. Dr. habil. Lucjan Puchalski.

Dariusz Komorowski: Quellen im Diskursfeld „Identitäten“. Die Schweiz. Ein Arbeitsbuch f[r Breslauer Germanisitkstudenten. Oficyna Wydawnicza ATUT, Wrocław 2009.
2005–2007
Raumgestaltung in der gegenwärtigen Deutschschweizer Literatur. Abgeschlossen mit einer internationalen Tagung am Institut für Germanistik an der Universität Wrocław.

Dariusz Komorowski (Hg.): Jenseits von Frisch und Dürrenmatt. Raumgestaltung in der gegenwärtigen Deutschschweizer Literatur. Königshausen & Neumann, Würzburg 2009.
2000
Zur Ästhetik von Jürg Laederachs Prosa

Dariusz Komorowski: Bewegungsästhetik in den Romanen von Jürg Laederach. Königshausen & Neumann Verlag, Würzburg 2002.
